Neues Schutz- und Überwachungssystem bei der Penobscot- Schrägseilbrücke
Die neue Penobscot-Schrägseilbrücke in Bucksport, Maine, USA, auf der U.S. Route 1 ersetzt die aus dem Jahre 1931 stammende Waldo- Hancock-Bridge, eine Hängebrücke aus Stahl, die von David B. Steinman entworfen wurde. Die neue Schrägseilbrücke weist bei einer Hauptspannweite von 354 m eine Gesamtlänge von 646 m auf. Mit dem Einbau der ersten DYNA Grip® -Schrägseile wurde im September 2005 begonnen.



Kontext
Die neue Penobscot-Schrägseilbrücke in Bucksport, Maine, USA, auf der U.S. Route 1 ersetzt die aus dem Jahre 1931 stammende Waldo- Hancock-Bridge, eine Hängebrücke aus Stahl, die von David B. Steinman entworfen wurde. Die neue Schrägseilbrücke weist bei einer Hauptspannweite von 354 m eine Gesamtlänge von 646 m auf. Mit dem Einbau der ersten DYNA Grip® -Schrägseile wurde im September 2005 begonnen.
Lösung
Zur Gewährleistung eines dauerhaften
Schutzes dieser ersten Schrägseilbrücke im
US Bundesstaat Maine wurden unter
Beteiligung von DYWIDAG verschiedene
Schutzsysteme entwickelt und miteinander
kombiniert. Außerdem kamen für den Bau
der Brücke insgesamt vier DYWIDAG Vorbauwagen
zum Einsatz, die von DYWIDAG
geliefert wurden.
Die 80 Schrägseile wurden nach dem
neuen Waagebalken-Prinzip (Cradlesystem)
des Ingenieurbüros Figg Bridge
Engineers, Inc., Tallahassee, Florida,
konzipiert. Bei diesem Konzept werden die
Seile nicht einzeln am Pylon verankert,
sondern über im Pylon eingebaute Umlenksättel
mit definierter Krümmung geführt.
Sie laufen von einer Verankerung am
Brückendeck über den Umlenksattel im Pylon bis zur anderen Verankerung im
benachbarten Brückenfeld kontinuierlich
durch. Das „cradle system“ erlaubt, neben
deutlichen Einsparungen an Materialkosten
und Bauzeit, eine überaus schlanke und
somit ästhetisch elegante Gestaltung des
Pylons.
Die Schrägseile der neuen Penobscot-
Brücke bestehen aus 61 bis 73 Epoxidharzbeschichteten
Litzen 0,6" die in einem
gemeinsamen Mantelrohr geführt werden.
Im Bereich der Umlenkung im Pylon sind die Litzen einzeln in Edelstahlröhren geführt, so dass gegenseitige Beeinflussungen der Litzen im Bereich der Krümmung durch Querkräfte ausgeschlossen werden.
Der architektonische Entwurf der Brücke
sah zwei Pylone mit jeweils zentral angeordneten
Schrägseilen vor. Die Schrägseile
sind hierbei jeweils paarweise im Pylon
angeordnet und werden auf dem
Brückendeck in verschiedenen Segmenten
verankert.
Die DYNA Grip®-Schrägseile haben in
den Nebenspannweiten steilere Winkel als
in der Hauptspannweite. Als weitere Besonderheit
weist die Brücke eine asymmetrische
Krümmung in einem Seitenfeld auf.
Aufgrund der asymmetrischen Geometrie
der Umlenksättel wäre der Einbau der
insgesamt 40 Sättel in den Pylonen vor Ort
sehr aufwändig gewesen. DYWIDAG entwickelte
für das komplexe Design eine Hilfs- und
Stützkonstruktion, die den Einbau der
Umlenksättel in den Pylonen erheblich erleichterte.
Hierbei handelte es sich um ein
Verfahren, das alle Winkel und Erhöhungen
bereits vor dem Einbau in den Pylonen
berücksichtigte.
Darüber hinaus entwickelte DYWIDAG als dauerhaften Schutz der Schrägseile ein System, welches eine permanente Überwachung der Schrägseile ermöglicht. Hierzu werden die DYNA Grip® Schrägseile zuerst in hermetisch abgedichtete HDPE-Hüllrohre geführt. Während des Einbaus wird zunächst warme, trockene Luft in das Schrägseilsystem gepumpt. Anschließend wird das HDPE-Hüllrohr mit reinem Stickstoff befüllt. Das Gas beseitigt hierbei sämtliche vorhandene, potentiell korrosive Elemente wie Sauerstoff, Chloride und Feuchtigkeit.
Jedes Schrägseil beinhaltet einen kleinen
mit Stickstoff befüllten Behälter, der im Falle
einer Undichtigkeit zusätzliches Druckgas
mit einem Überdruck von 0,14 bar zuführt.
Ferner werden Messinstrumente mit jedem
Schrägseil verbunden, die zum einen
Druckschwankungen aufzeichnen und
zum anderen eine kontinuierliche Überwachung
ermöglichen.
Eine Abschlusskappe, als Teil der Schrägseilverankerung, kapselt das gesamte Verankerungssystem vollständig ein. Für die Schutzkappe der Verankerung wurde erstmals ein durchsichtiges Material als Endplatte verwendet, welche eine visuelle Inspektion des Verankerungsbereichs ermöglicht.
Die größte Herausforderung bildete die wirtschaftliche Entwicklung eines gasdichten Systems, das einerseits die Bewegungen und Schwingungen eines Schrägseils aufnehmen konnte sowie andererseits den extremen Temperaturschwankungen, die im US-Bundesstaat
Maine auftreten, standhält.
Als weiteres Überwachungsinstrument
wird das DYNA Force System für die
Penobscot-Brücke eingesetzt. Es besteht
aus einer Reihe von Messspulen die an
jedem Schrägseil fest montiert sind. Die
Messwerte werden mit einer Genauigkeit
von +/- 1 % gemessen. Dieses
System ist robust und wartungsfrei und
auf eine der Brücke entsprechende
Lebensdauer ausgelegt.
Der Betreiber der Brücke kann hierdurch
im Rahmen einer Inspektion unter
geringem Aufwand die Kräfte in den
Schrägseilen kontinuierlich und
kostengünstig überwachen.
Der Schutz der Penobscot-Brücke und
damit auch des DYNA Grip®-Schrägseilsystems
besteht aus der Kombination
von vier Sicherungsmaßnahmen:
- Epoxidharz-beschichtete DYNA Grip®- Schrägseillitzen,
- HDPE-Hüllrohre,
- Stickstoffgas-Schutzsystem,
- DYNA Force Überwachungssystem.
Die Fertigstellung der neuen
Penobscot-Brücke ist für Ende 2006
geplant.